Wie steigere ich die Motivation am Arbeitsplatz? 📈
- Magnus Kyre
- 7. Juli 2023
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. März

Die Selbstbestimmungstheorie (englisch: Self-Determination Theory) von Ryan & Deci, entwickelt in den 1970er Jahren, bleibt auch heute eine bedeutende Quelle für Erkenntnisse darüber, wie Motivation am Arbeitsplatz gesteigert werden kann.
Die Theorie beleuchtet dabei die grundlegenden psychologischen Bedürfnisse, die Menschen motivieren: Autonomie, Kompetenz, soziale Eingebundenheit und Sinnerleben (Relevanz und Kohärenz).
Diese Bedürfnisse fördern die intrinsische Motivation, also eine Motivation aus dem inneren Antrieb heraus. Sie beruht auf persönlichem Interesse, Freude oder der Befriedigung, eine Aufgabe zu erledigen. Im Gegensatz zu extrinsischer Motivation, die von äußeren Faktoren Faktoren beeinflusst wird, führt die intrinsische Motivation zu einem tiefer empfundenen Wohlbefinden und zu nachhaltig positiven Arbeitserfahrungen.
1. Autonomie
Autonomie am Arbeitsplatz bezieht sich darauf, dass Mitarbeiter die Freiheit und den Spielraum haben, ihre Arbeit selbstständig zu gestalten und Entscheidungen zu treffen. Das bedeutet, dass sie Einfluss darauf haben, wie sie ihre Aufgaben erledigen, wann sie arbeiten und welche Arbeitsmethoden sie verwenden. Autonomie ermöglicht es den Mitarbeitern, ihre persönlichen Fähigkeiten und Interessen einzubringen und sich in ihrer Arbeit verwirklicht zu fühlen. Unternehmen können Autonomie fördern, indem sie flexible Arbeitszeiten, eigenverantwortliche Projektarbeit und Partizipation an Entscheidungsprozessen ermöglichen.
2. Kompetenz
Kompetenz am Arbeitsplatz bezieht sich auf das Gefühl der Wirksamkeit und des Könnens in Bezug auf die Aufgaben und Herausforderungen, denen die Mitarbeitenden gegenüberstehen. Mitarbeitende sollten die Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten kontinuierlich zu entwickeln und neue Fertigkeiten zu erlernen, um sich beruflich weiterzuentwickeln. Dies kann durch gezielte Weiterbildungsmaßnahmen, Schulungen, Mentoring-Programme und die Zuweisung herausfordernder Projekte erreicht werden. Wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, kompetent zu sein und ihre Aufgaben erfolgreich zu bewältigen, steigt ihre Motivation und Zufriedenheit am Arbeitsplatz.
3. Soziale Eingebundenheit
Soziale Eingebundenheit bezieht sich auf das Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit zu einem Team oder einer Organisation. Es umfasst auch die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen und die Unterstützung, die Mitarbeiter von ihren Kollegen und Vorgesetzten erhalten. Unternehmen können die soziale Eingebundenheit fördern, indem sie eine positive und unterstützende Unternehmenskultur schaffen, Teamarbeit und Zusammenarbeit fördern, regelmäßige Feedback-Sitzungen organisieren und Möglichkeiten für informelle Interaktionen und Teambuilding-Aktivitäten bieten.
4. Sinn in der Arbeit (Relevanz und Kohärenz)
Relevanz am Arbeitsplatz bezieht sich darauf, dass Mitarbeiter das Gefühl haben, dass ihre Arbeit bedeutsam ist und einen Beitrag zum größeren Ganzen leistet. Sie sollten verstehen können, wie ihre Aufgaben mit den Zielen und Werten des Unternehmens in Einklang stehen und welchen Einfluss ihre Arbeit auf andere Menschen und die Gesellschaft hat. Unternehmen können die Relevanz fördern, indem sie klare Ziele und Missionen kommunizieren, die Bedeutung der Arbeit für das Unternehmen und die Kunden verdeutlichen und Mitarbeiter in strategische Entscheidungsprozesse einbeziehen.
Kohärenz am Arbeitsplatz bezieht sich auf den Einklang und die Stimmigkeit zwischen verschiedenen Lebensbereichen, insbesondere zwischen Berufs- und Privatleben. Mitarbeiter sollten die Möglichkeit haben, Arbeit und persönliches Leben in Einklang zu bringen und ihre beruflichen Verpflichtungen mit ihren persönlichen Werten und Zielen zu vereinbaren. Unternehmen können die Kohärenz fördern, indem sie flexible Arbeitsmodelle, Work-Life-Balance-Programme und Unterstützungsdienste wie Kinderbetreuung und psychologische Beratung anbieten.
Indem diese Faktoren im Rahmen von Führungsarbeit, Personalentwicklung oder Organisatinosentwicklung gezielt berücksichtigt werden, kann die Motivation in Teams und bei den einzelnen Mitarbeitenden gezielt gesteigert werden. Studien zeigen, dass die Erfüllung dieser Motivatoren bei der Arbeit zu mehr Leistungsfähigkeit, Zufriedenheit, Vitalität und Wohlbefinden führt.
Die Nicht-Erfüllung dieser "Basismotivatoren" hingegen kann zu Abschottung, sinkender Leistungsfähigkeit, Krankheit und Erschöpfung führen. Somit stellt die Selbstbestimmungstheorie weiterhin eine zentrale Interventionsmöglichkeit für Entscheidungstragende dar, die wie folgt praktisch genutzt werden kann.
Doch wie genau steigere ich die Motivation am Arbeitsplatz - für mich oder meine Mitarbeitenden?
Praxisintervention für mehr Motivation am Arbeitsplatz: Die 4-Gläser-Übung
Ein praktisches Tool, das im Zusammenhang mit der Selbstbestimmungstheorie genutzt werden kann, ist die 4-Gläser-Übung:
Bitte betrachten Sie Ihre derzeitigen „Füllstände“ je Grundbedürfnis - entweder bei sich selbst, bei Ihrer Mitarbeiterin oder Mitarbeiter oder im gesamten Team (IST-Zustand).
Welche Füllstände würden Sie gerne für sich oder Ihr Team in naher Zukunft erreichen (SOLL-Zustand)?
Welche kleinen Interventionen könnten geeignet sein, um die Füllstände aktiv zu heben? Entwickeln Sie je Glas, das Sie füllen möchten, 2-3 kleine Interventionen. Für sich oder gerne auch mit Ihrem Mitarbeitenden.
📚 Mehr Inspiration:
Christian Thiele (2020): Positiv führen: Wie Sie Sinn, Stärken und Erfolg im Team vereinen.
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